Überdurchschnittlich viele Atemwegsinfekte – was wir aktuell in unserer Praxis beobachten

In den vergangenen Wochen haben wir in unserer Hausarztpraxis in Hildesheim deutlich mehr Menschen mit Atemwegsinfekten betreut als noch zu Beginn des Winters. Viele von Ihnen berichten uns, dass im familiären Umfeld oder am Arbeitsplatz „gerade jeder krank ist“. Auch im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus der Region bestätigt sich dieser Eindruck.

Zum Glück verlaufen die meisten Infekte unkompliziert. Dennoch merken wir im Praxisalltag, dass unterschiedliche Virusinfektionen aktuell gleichzeitig zirkulieren – und das sorgt verständlicherweise für Verunsicherung.

 

Welche Infektionen sehen wir derzeit besonders häufig?

In der täglichen Sprechstunde begegnen uns vor allem:

• Influenza (die „echte“ Grippe)
• klassische grippale Infekte (Erkältungen)
• akute Bronchitiden
• COVID-19
• RSV-Infektionen

Viele Patientinnen und Patienten fragen uns: „Woran erkenne ich den Unterschied?“


Die Erkältung – lästig, aber meist harmlos

Eine gewöhnliche Erkältung beginnt typischerweise schleichend. Erst kratzt der Hals, dann läuft die Nase, später kommt Husten hinzu. Manche fühlen sich abgeschlagen, sind aber noch eingeschränkt alltagstauglich. Fieber ist eher selten oder nur leicht erhöht.

Im Gespräch hören wir oft Sätze wie: „Es ist unangenehm, aber ich funktioniere noch.“


Die Influenza – plötzlich und mit voller Wucht

Ganz anders erleben wir häufig die Influenza. Hier berichten Patientinnen und Patienten nicht selten, dass sie „von einer Stunde auf die andere“ krank geworden sind. Hohes Fieber, ausgeprägte Kopf- und Gliederschmerzen sowie eine starke Erschöpfung stehen im Vordergrund. Manche schaffen es kaum vom Bett ins Bad.

Gerade bei hohem Fieber oder bestehenden Vorerkrankungen begleiten wir diese Verläufe engmaschiger, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.


RSV – für bestimmte Gruppen nicht zu unterschätzen

RSV verläuft bei gesunden Erwachsenen meist mild. Bei Säuglingen, Frühgeborenen oder älteren Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen sehen wir jedoch mitunter deutlich schwerere Verläufe – etwa mit Atemnot oder Lungenentzündung.

Besonders aufmerksam werden wir, wenn Eltern berichten, dass ihr Kind schlechter trinkt, ungewöhnlich apathisch wirkt oder sehr schnell atmet. Hier gilt: lieber einmal zu viel als einmal zu wenig untersuchen lassen.

 

Wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?

Bitte melden Sie sich bei uns, wenn:

• Atemnot oder pfeifende Atemgeräusche auftreten
• das Fieber über 39 °C steigt oder länger anhält
• sich Ihr Allgemeinzustand deutlich verschlechtert
• ein Säugling schlecht trinkt oder ungewöhnlich ruhig bzw. apathisch wirkt

Auch bei bestehenden Vorerkrankungen – etwa des Herzens, der Lunge oder des Stoffwechsels – empfehlen wir eine frühzeitige Abklärung. Erfahrungsgemäß kann es gerade bei Risikopersonen entscheidend sein, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.

 

Was Sie selbst tun können

Neben ausreichender Ruhe und einer guten Flüssigkeitszufuhr empfehlen wir:

• regelmäßiges und gründliches Händewaschen
• Abstand zu anderen bei akuten Symptomen
• ausreichend Schlaf
• ausgewogene Ernährung
• Überprüfung des eigenen Impfschutzes, insbesondere gegen Influenza und COVID-19

Viele Infekte benötigen vor allem Zeit und Geduld. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Der Körper braucht Ruhe, um sich zu regenerieren.

In den meisten Fällen heilen Atemwegsinfekte folgenlos aus. Dennoch erleben wir immer wieder, dass insbesondere hohes Fieber oder anhaltende Schwäche Sorgen bereiten. Bitte zögern Sie nicht, uns anzusprechen – wir nehmen Ihre Beschwerden ernst und beraten Sie individuell.